
Aus diesen Spielern besteht also unser Nationalmannschaftskader für die EM in Polen. Dirk Bauermann nominierte 21 Spieler für den Lehrgang Ende Juli, der in zwei Testspielen gegen die Niederlande und Israel gipfelt. Es sind sogar elf Spieler dabei, die noch gar kein A-Länderspiel bestritten. Nur drei Spieler spielten in den heurigen Playoffs eine nennenswerte Rolle (Wysocki, Günther, Hamann).
Dominik Bahiense de Mello (G/24) – Deutsche Bank Skyliners
Robin Benzing (PF/20) – TV 1862 Langen/Deutsche Bank Skyliners
Bastian Doreth (SG/20) – Franken Hexer/Brose Baskets Bamberg
Gordon Geib (PG/25) – Giants Düsseldorf
Per Günther (PG/21) – ratiopharm Ulm
Steffen Hamann (PG/28) – Alba Berlin
Elias Harris (F/G/19) – Gonzaga University/College USA
Johannes Herber (SG/26) – Alba Berlin
Yassin Idbihi (PF/25) – CSP Limoges/Frankreich
Jan-Hendrik Jagla (PF/28) – Joventut Badalona/Spanien
Johannes Lischka (SF/22) – Lti Gießen 46ers
Tim Ohlbrecht (C/20) – Brose Baskets Bamberg
Ademola Okulaja (PF/33) - vereinslos
Tibor Pleiß (C/19) – Köln 99ers
Heiko Schaffartzik (PG/25) – New Yorker Phantoms Braunschweig
Philipp Schwethelm (SF/20) – Köln 99ers
Lucca Staiger (PG/21) – Iowa State/ College USA
Sven Schultze (PF/30) – Olympia Larissa/Griechenland
Konrad Wysocki (SF/27) – Deutsche Bank Skyliners
Maik Zirbes (C/19) – TBB Trier
Philip Zwiener (SF/23) – Alba Berlin
Eigentlich hätte noch der einzige Deutsche mit relevanten Leistungen während BBL-Finals, Johannes Strasser, nominiert werden sollen. Er sagte aber aufgrund persönlicher Gründe ab. Daneben wird nur Kasten Tadda, der neue Bamberger Publikumsliebling, vermisst. Demond Greene erbat sich eine Pause, um mit seiner Familie zusammen sein zu können. Außer Nowitzki und Kaman haben wir nichts Besseres.
Tja, viele junge Spieler wurden nominiert. Der Abgang der “silbernen Generation” musste kommen. Jeder wusste das – hart trifft einen die eindeutige Zweitklassigkeit allerdings schon. Aus diesem Grundgerüst wird sich in den nächsten Jahren eine Mannschaft bilden, für die bereits eine Qualifikation an großen Turnieren ein Erfolg sein dürfte.
Sven Schultze und Steffen Hamann werden die Veteranen sein und eine Vorbildaktion für jüngere Spieler darstellen. Die “Go-to-Guys” dürften eher Jan Jagla und Yassin Idbihi sein. Beide bewiesen bereits spielerische Fähigkeiten auf gehobenem europäischen Niveau.
Daneben könnte “Rookie of the year” Per Günther ein Lichtblick sein. Ulms Aufbauspieler agierte in seiner ersten BBL-Saison bemerkenswert fehlerfrei und sollte an eine rosigere Zukunft Basketball-Deutschlands hoffen lassen. Johannes Lischka spielte in Gießen eine starke Schlussphase der Saison. Er gilt als Paradebeispiel, wie wichtig Spielzeit für die Entwicklung junger Spieler ist. Nachdem Ausfall des US-amerikanischen Small Forwards, musste Lischka notgedrungen mehr spielen und enttäuschte nicht. Ob er diese Leistung auch gegen bessere Gegenspieler abrufen kann, wird Bauermann genau beobachten.
Falls nicht, stünden mit Philip Zwiener (hoffentlich bald in Paderborn, dann mit vermehrter Spielzeit) und Philpp Schwethelm zwei weitere Swingman parat. Ersterer durfte bereits Olympia-Erfahrung sammeln, bevor er in Berlin ohne Spielzeit darben musste. Es wird zu beachten sein, ob sich spielerische Schäden oder verminderte Unbekümmertheit an Zwiener manifestiert haben.
Dies muss ebenso bei Johannes Herber bedacht werden. Nominell ist er einer der absoluten Stützen, der Post-Nowitzki-Ära. Nach langwieriger Verletzung nahm er in der Berliner O2-Arena zumeist als Handtuchwedler am Spielgeschehen teil. Nur zwei Playoffminuten wurden an ihn vergeben. Die körperliche Fitness dürfte mittlerweile wieder hergestellt sein – für die mentale Fitness könnte die Verantwortung in der Nationalmannschaft genau zum richtigen Zeitpunkt kommen.
Tibor Pleiß, Tim Ohlbrecht und Maik Zirbes sind unsere Hoffnungen auf der Center-Position. Alle drei sind jung und talentiert, alle drei dürften aber erhebliche Probleme auf europäischen Niveau haben. Zirbes spielte phänomenal in der A2, er könnte eine Alternative zum spindeldürren Pleiß und dem Druck-empfindlichen Ohlbrecht sein.
Mit Dominik Bahiense de Mello und Gordon Geib stoßen zwei intelligente Basketballer zum Team. Beide überzeugen nicht mit überragenden Statistiken, können aber jedem Team weiterhelfen. Besonders auf de Mellos ersten Auftritt im Trikot der Nationalmannschaft, warte ich bereits seit einigen Jahren.
Ein oder zwei der “Next Generation” sollten auch mitkommen. Körperlich und spielerisch würde es noch lange nicht reichen. Aber lernen sollten möglich sein. Elias Harris, Lucca Staiger, Robin Benzing oder Bastian Doreth erfüllen dieses Kriterium. Wobei die Nomierung des unauffälligen Doreths überrascht. Hält Bauermann so viel von ihm? Oder ist Doreth der von Bauermann angekündigte ProB-Spieler – ein Warnhinweis an die kaum vergebene EInsatzzeit an einheimische Spieler in der BBL?
Princeton-Abolvent Konrad Wysocki hatte eine enttäuschende Saison in Frankfurt. Auch bei den olympischen Spielen waren seine Leistungen durchwachsen. Der aufopferungsvoll kämpfende Wysocki könnte aber durchaus zu einem Führungsspieler unter Bauermann mutieren. Ob dies Heiko Schaffartzik gelingt, muss noch abgewartet werden. Der Aufbauspieler war bester deutscher Punktwerfer der abgelaufenen BBL-Saison. Er würde sicherlich etwas Schwung in das offensiv ansonsten biedere deutsche Team bringen. Allerdings überdreht er häufig und nimmt zu viele Dreier. Ob er von Bauermann an die kurze Leine gebunden, überleben kann? Mit Hamann, Geib und Günther stehen drei Point Guards als Alternative bereit, die eher nach Bauermanns Gusto kommen
Warum mit Adi Okulaja, ein letztes Relikt der “silbernen Generation” nominiert wurde, ist mir ein Rätsel. Okulaja wurde erst kürzlich von Bamberg aussortiert. Laut eigener Aussage, sei er aber von seinem Krebsleiden genesen und trainiere jeden Tag. Der zweitbeste Spieler der Nowitzki-Ära, würde der unagefochtene Leader sein. Ob er aber letztendlich in den Kader rutscht, bleibt abzuwarten.
Gänzlich fehlen Guido Grünheid und NBA-Borderliner Julian Sensley. Grünheid wurde mittlerweile von anderen und jüngeren Small Forwards überholt, Sensleys “selbstverliebter Charakter” hat in einer Mannschaft, die sich auf kämpferische Werte berufen muss, nichts zu suchen.
Nach der ersten Trainingswoche wird der Kader erheblich ausgedünnt werden. Viele der jungen Spieler dürften dann in den Urlaub verabschiedet werden. Dann könnte der Kader so aussehen:
C: Idhibi / Ohlbrecht
PF: Jagla / Schultze
SF: Wysocki / Zwiener/ Lischka
SG: Herber / Staiger / de Mello
PG: Hamann / Günther / Schaffartzik
Das was Bauermann spielen lassen wird, wird sicherlich keinen Schönheitspreis gewinnen. Bereits mit Nowitzki hatte die Mannschaft, Probleme Würfe zu kreieren. Viel mehr als 60 oder 70 Punkte dürfte das Team selbst an guten Tagen nicht erzielen dürfen. Das Team muss also mit gewetzten Messern und gespitzten Ellbogen um ihr Leben verteidigen. Immerhin hat die spärliche Spielzeit einheimischer Akteure einen positiven Effekt: Sie werden bestens ausgeruht in die EM kommen…
Foto: Florian H.